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Basisinformationen HTLV-Diagnostik

Basisinformationen zur Diagnostik Humaner T-Zell-Leukämie-Viren (HTLV) 

Im Rahmen der Diagnostik von Infektionen durch HTLV-1/2 kommen sowohl direkte (Nukleinsäurenachweise) als auch indirekte Nachweisverfahren (Antikörpernachweise) zum Einsatz. 

Die wichtigste Methode der Screening-Diagnostik ist der serologische HTLV-1/2- Antikörpernachweis, der sowohl HTLV-1- als auch HTLV-2-spezifische Antikörper erfasst. Im Gegensatz zur HIV-Infektion sind HTLV-spezifische Antikörper typischerweise erst ab dem zweiten bis dritten Monat nach Infektion detektierbar. Die spezifischen Antikörper sind als Infektionsmarker lebenslang nachweisbar.

Ein reaktiver („positiver“) HTLV-Screeningtest ist allein nicht hinreichend, um die Diagnose einer HTLV-Infektion zu stellen. Ähnlich wie bei HIV weisen die HTLV-ELISAs zwar eine hohe Sensitivität von nahezu 100% auf, d.h. die Wahrscheinlichkeit eines falsch-negativen Testergebnisses ist äußerst gering. Auch die Spezifität dieses Tests beträgt deutlich über 90%. Bedingt durch die niedrige Sero-Prävalenz von HTLV in Ländern wie Deutschland (<0,001%), ist der positiv-prädiktive Wert des HTLV-Screeningtests jedoch sehr gering ist. Mit anderen Worten, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein erstmalig positives Screening-Resultat falsch reaktiv ist, weshalb nach Einschätzung des NRZ für Retroviren ein wiederholt positives Testresultat im HTLV-ELISA durch ein zweites unabhängiges Testverfahren bestätigt werden muss.

Als Bestätigungstest sind der klassische Westernblot oder der rekombinant hergestellte Immunoblot Methoden der Wahl. Hierbei wird die Reaktivität im Serum befindlicher Antikörper gegen eine Vielzahl auf einen Nitrozellulosestreifen aufgetragener HTLV-Antigene untersucht. Eine HTLV-Infektion geht in den meisten Fällen mit einer Immunantwort gegen HTLV-Gag-Strukturproteine (p24, p19) sowie HTLV-Env-Hüllproteine (gp46, gp61/68, p21e) einher. Hierüber ist zumeist auch die Differenzierung einer Infektion durch HTLV-1 und HTLV-2 möglich. Unklare Testergebnisse erfordern „Verlaufskontrollen“, d.h. die Einsendung weiterer Patientenproben, sowie weitergehende Testverfahren zum Nachweis der viralen Nukleinsäure (siehe unten). 

Bei einem ersten Nachweis einer HTLV-Infektion wird die Folgetestung einer zweiten Blutprobe des Patienten zum Ausschluss einer Probenverwechslung dringend empfohlen.

Nukleinsäure-Nachweisverfahren

Da HTLV sich fast ausschließlich zellassoziiert durch direkten Zell-Zell-Kontakt ausbreitet, liegt es in der Regel nicht als freies Virus im Probenmaterial vor. Im Unterschied zu HIV spielt der Nachweis genomischer RNA (HTLV-RNA) im zellfreien Plasma daher eine sehr untergeordnete Rolle. Aussagekräftiger ist der Nachweis der HTLV-cDNA, die in das Genom von Blutzellen integriert ist. Der quantitativen Bestimmung der HTLV-cDNA-Last in Blutzellen kommt hinsichtlich der Prognose eine große Bedeutung zu, da die Viruslast bei Patienten mit klinischer Symptomatik (z. B. adulte T-Zell Leukämie, HTLV-1-assoziierte Myelopathie, Tropische Spastische Paraparese) in der Regel deutlich erhöht ist.

Wegen der Transmission maternaler Antikörper über die Plazenta auf das Neugeborene ist die Aussagekraft der serologischen Diagnostik begrenzt, da u.U. die Herkunft der detektierten Antikörper unklar bleibt. Daher erfolgt der Nachweis einer vertikalen Infektion (Mutter-Kind-Übertragung) am sichersten durch die Detektion von HTLV-cDNA im Blut des Kindes. Das Risiko einer Übertragung auf das Kind liegt bei stillenden Müttern bei ca. 25%, wohingegen es bei ungestillten Kindern nur in ca. 5% der Fälle zu einer Übertragung kommt.