Tuberkulose-Diagnostik
Ansprechpartner / Auskunft
Leiter: Dr. med. Johannes Wagener
089 - 2180 72863
wagener(at)mvp.uni-muenchen.de
Leitende MTA: Kathrin Berschl
089 - 2180 72844
tb(at)mvp.uni-muenchen.de
berschl(at)mvp.uni-muenchen.de
Max von Pettenkofer-Institut
TBC-Labor
Pettenkoferstr. 9a
80336 München
Hintergrund
Mykobakterien sind langsam wachsende Bakterien, deren kulturelle Anzucht spezielle Bedingungen erfordert. Zu den Mykobakterien gehören die Tuberkulose-Erreger (M. tuberculosis, M. bovis, M. africanum), die als Mycobacterium tuberculosis-Komplex zusammengefasst werden, sowie ca. 120 weitere Mykobakterienarten, die in der Umwelt weit verbreitet sind. Das Tuberkuloselabor am Max von Pettenkofer-Institut bietet Untersuchungen zum Nachweis des Mycobacterium tuberculosis-Komplexes sowie atypischer Mykobakterien an. Der Erregernachweis erfolgt in der Regel aus Sputum, Bronchialsekret oder Trachealsekret, ist aber auch aus Magensaft, Urin, Pleuraexsudat, Liquor und anderen Punktionsproben bzw. Biopsieproben möglich.
Zur raschen Abklärung der Infektiosität sollte bei Verdacht auf Lungen-Tuberkulose immer eine mikroskopische Untersuchung auf säurefeste Stäbchen (Ziehl-Neelsen-Färbung) erfolgen. Es müssen etwa 104 Keime/ml vorhanden sein, um ein positives Ergebnis zu erhalten, und eine sichere Unterscheidung zwischen Tuberkulosebakterien und Umweltmykobakterien ist dabei nicht möglich. Daher ist es immer erforderlich, auch eine Kultur anzulegen. Zur schnellen Diagnostik von Mycobacterium tuberculosis-Komplex (M. tuberculosis, M. bovis, M. africanum) aus Patientenproben steht ein molekularer Schnellnachweis mittels PCR zur Verfügung (Ergebnis liegt innerhalb von 1-2 Werktagen vor). Bei negativem Ergebnis ist allerdings eine Infektion mit Mykobakterien nicht auszuschließen. Nach erfolgreicher Behandlung einer Tuberkulose kann nach einem Jahr z.T. immer noch DNA nachgewiesen werden.
Am Max von Pettenkofer-Institut wird nach einer Dekontamination des Untersuchungsmaterials eine Kombination von Flüssig- und Festmedien eingesetzt. Durch den Einsatz eines Flüssigmediums mit Indikatoren für das Bakterienwachstum wird die Detektionszeit auf 1 - 2 Wochen verkürzt. Die Kulturen werden aber bis zu 6 Wochen (Flüssigmedien) bebrütet, um verzögertes Wachstum auszuschließen.
Nichttuberkulöse Mykobakterien können in unserem Labor ebenfalls kulturell nachgewiesen werden. Da diese vor allem bei Immunsupprimierten oder Mukoviszidose–Patienten immer häufiger isoliert werden, ist der zuverlässige und schnellstmögliche Nachweis ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer Diagnostik.
Resistenztestungen für nichttuberkulöse Mykobakterien zählen nicht zu unserem Leistungsspektrum. Bitte wenden Sie sich in diesem Fall an das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel (Dr. Sabine Rüsch-Gerdes; Nat. Referenzzentrum Tel: 04537 - 188 – 2110).
Es wird auf die ATS – Richtlinien zur Behandlung von Infektionen mit Nichttuberkulösen Mykobakterien der American Thoracic Society verwiesen.
Bei sonstigen Fragen können Sie uns unter folgender Telefonnummer erreichen:
Tuberkulose-Labor: 089/ 2180 - 72844
Leistungsspektrum
• Mikroskopischer Nachweis säurefester Stäbchen
• Kulturelle Anzucht von Mykobakterien mit flüssigen und festen Nährmedien
• Nachweis von Mycobacterium tuberculosis-Komplex mit Nukleinsäure-Amplifikationsverfahren
• Differenzierung von Mykobakterien mit konventionellen Methoden und molekularbiologischen Techniken
• Empfindlichkeitsprüfung von Mycobacterium tuberculosis-Komplex in flüssigen Nährmedien
Nützliche Informationen zur Diagnostik kurz zusammengefasst
Eine Testung von 3 Sputen, abgenommen an aufeinanderfolgenden Tagen, kann eine offene Tuberkulose bei kulturell negativen Befunden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.
Bei Verdacht auf Lungen-Tuberkulose: BAL, Sputum (bei offener TB) oder Magensaft
Bei Verdacht auf extrapulmonale Tuberkulose: Biopsie, Punktat oder Liquor
Von einer offenen Tuberkulose spricht man, wenn mindest ein Kultureller Nachweis von MTB-Komplex aus einem Material erfolgt, welches vom Körper ausgeschieden wird (z.B. Urin oder Sputum)
Notfallpräparat
Ein sogenanntes natives Präparat ohne Voranreicherung zur Schnelldiagnostik wird nicht empfohlen, da die diagnostische Sensitivität durch Verlust von Patientenmaterial deutlich abnimmt. Sollten darin keine säurefesten Stäbchen nachgewiesen werden, schließt das keineswegs eine Tuberkulose-Infektion aus.
Übersicht zum Untersuchungsmaterial (Auszug aus dem Leistungsverzeichnis des MvPI)
Material | Volumen | Gefäß | Bemerkung |
Magensaft | > 1 ml | Röhrchen mit Trinatriumphosphat zur Neutralisierung des Magensaftes | Erhältlich im mikrobiologischen Hauptlabor in Großhadern oder im Tuberkuloselabor in der Innenstadt |
Blut oder Knochenmark | Lithium-Heparin Röhrchen, alternativ EDTA | Kein Natrium-Citrat, Transport bei 37 °C | |
Liquor | > 1 ml, 2 – 4 ml empfohlen | Steriles Röhrchen, ohne Plastikpellets | Sofort bei 37 °C transportieren |
BAL | > 1 ml, | Steriles Schraubgefäß | Kühlen, sofort zum Labor transportieren, um Wachstum der Normalflora zu unterdrücken |
Endotracheale Absaugung, Sputum | >1 ml, | Steriles Schraubgefäß | Kühlen, sofort zum Labor transportieren, um Wachstum der Normalflora zu unterdrücken |
Punktat | > 1 ml, | Steriles Gefäß | Raumtemperatur |
Biopsie | Steriles Gefäß mit physiologischer Kochsalzlösung | Raumtemperatur | |
Urin (Morgenurin) | 30 – 50 ml | Steriles Sammelgefäß | Kühlen, sofort zum Labor transportieren |
M. tuberculosis-Quantiferon-Test
Der M. tuberculosis-Quantiferon-Test wird in der Infektionsserologie durchgeführt. Dieser Test ist spezifisch für M. tuberculosis und kann eine spezifische Immunreaktion auf M. tuberculosis nachweisen (nicht bei frischen Infektionen möglich). Den speziellen Untersuchungsschein finden Sie auf unserer Homepage unter Diagnostik/ Einsendescheine/T M.tuberculosis Quantiferontest
Weitere Informationen erhalten Sie in der serologischen Diagnostik unter 089/2180 – 72840 oder unter http://www.mvp.uni-muenchen.de/fileadmin/diagnostik/Quantiferon.pdf

