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Geschichte

Das Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie ist aus dem Institut für Hygiene entstanden, dessen erster Direktor 1865 Max von Pettenkofer wurde. Max von Pettenkofer (1818 – 1901) wurde im Bayerischen Königreich als Pionier der Hygiene und Öffentlichen Gesundheit bekannt. Aus epidemiologischen Analysen der Choleraepidemien in München (1836/37 und 1853/54) schloss er, dass örtliche (Eigenschaften des Bodens) und zeitliche (Klima, menschliche Konstitution) Faktoren für Darmerkrankungen verantwortlich seien. Er hat den Bayerischen König Ludwig II. überzeugt, dass die Bodenqualität durch Zentralisierung der Abwasserkanalisation und der Trinkwasserversorgung wesentlich verbessert werden kann und so München von Typhus und Cholera befreit wird. Der Nutzen dieser Maßnahme wurde am Ende des 19. Jahrhunderts sichtbar, als die Cholera in Hamburg wütete, München aber verschonte. Dieser Erfolg mag ein Grund dafür gewesen sein, dass Max von Pettenkofer nicht mit Robert Koch übereinstimmte, dass Cholera vom "Kommabazillus" Vibrio cholerae verursacht wird (Bodentheorie versus Keimtheorie).

Um der großen Bedeutung von Infektionskrankheiten im allgemeinen und im besonderen für die Ausbildung der Ärzte und dem Universitätsklinikum der LMU gerecht zu werden, wurde im Jahr 1996 ein zweiter Lehrstuhl am Max von Pettenkofer-Institut eingerichtet. Es gibt seit dem einen Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene und einen Lehrstuhl für Virologie, die in drei Bereichen Aufgaben erfüllen: 1. Laboratoriumsdiagnostik von Infektionskrankheiten der Patienten am Universitätsklinikum (Diagnostik), 2. Ausbildung der Studenten der Medizin (MeCuM), Zahnmedizin, Biologie (Infektionsbiologie) und Pharmazie und 3. Forschung.

Nachruf: Prof. Dr. rer. nat. Vera Preac-Mursic

Vera Preac-Mursic, geboren am 6. August 1932 in Slowenien, studierte nach ihrem Abitur 1953 Mikrobiologie an der biotechnischen Fakultät der Universität Ljubljana. Nach ihrem Examen 1961 war sie bis 1963 als Mikrobiologin im Hygiene-Institut in Maribor tätig. Anschließend begann sie ein weiterführendes Studium der Biologie an der LMU München, das sie 1966 mit der Promotion zum Dr. rer. nat. abschloss.
1969 trat sie eine Assistentenstelle im Max von Pettenkofer-Institut der LMU München mit Aufgaben in Diagnostik, Lehre und Forschung an. 1989 habilitierte sie sich als Assistant Professor der medizinischen Fakultät der Universität Ljubljana und wurde 1991 zum Associate Professor ernannt und hielt dort auch Vorlesungen. Bis zu ihrer Pensionierung und dem Ausscheiden aus dem Berufsleben 1994 war sie die langjährige Leiterin der bakteriologischen Abteilung des Max von Pettenkofer-Institutes. Sie erwarb sich durch ihr beispielhaftes Engagement und ihre große Erfahrung gerade in schwierigen Fällen höchste Wertschätzung und Anerkennung der klinisch tätigen Ärzte.
Kurz nach der Entdeckung von Borrelia burgdorferi des Erregers der Lyme-Borreliose durch Willy Burgdorfer 1982 begann sie mit der Erforschung dieses Erregers. Sie gehört zu den Pionieren auf diesem Forschungsgebiet und publizierte von 1985 bis 1997 63 Originalarbeiten und Übersichten zur Mikrobiologie, Diagnostik, Therapie, Epidemiologie und Klinik von B. burgdorferi in sehr angesehenen Journalen. Ihr gelang u. a. in einer interdisziplinären Kooperation mit klinisch tätigen Wissenschaftlern aus München (Münchner Arbeitsgruppe) die Anzüchtung einer großen Zahl von Stämmen aus Patientenproben, so auch die des ersten Liquor-Isolates in Europa. Das Max von Pettenkofer - Institut erhielt damit eine überaus wertvolle Stammsammlung, die u. a. auch Grundlage für die dort erstmals entdeckte Heterogenität von Borrelia burgdorferi bildete und die zur Position der Lyme-Borreliose-Forschergruppe am Max von Pettenkofer - Institut als eine der weltweit führenden dieses Spezialgebietes ganz entscheidend beitrug.
Vera Preac-Mursic konnte in aufwendigen in vitro- und in vivo-Studien (Tiermodell) zur Antibiotika Therapie grundlegende Erkenntnisse für die Therapie des Menschen erarbeiten. Sie zeigte als erste die protektive Wirksamkeit des Oberflächenproteins OspC als experimentelle Vakzine im Tiermodell. Die Heterogenität des Erregers ist eine Herausforderung für die Verbesserung der Diagnostik. Auf der Basis der großen Stammsammlung konnte z.B. die Lyme-Borreliose Forschergruppe am MvP rekombinante Antikörpernachweisverfahren mit deutlich erhöhter Sensitivität entwickeln. Vera Preac-Mursic hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass am Max von Pettenkofer Institut das Nationale Referenzzentrum für Borrelien etabliert wurde.
Vera Preac-Mursic war stets kollegial und hilfsbereit. So hat sie sich viel Zeit genommen, Gäste aus anderen Laboratorien in die aufwendige diagostische Methodik einzuweisen. Zahlreichen Wissenschaftlern aus Europa und Übersee hat sie ihre Borrelien-Stämme zur Verfügung gestellt, was zu vielen neuen und spannenden Erkenntnissen zum Erreger der Lyme-Borreliose führte.

Dr. rer. nat. Vera Preac-Mursic ist am 19. Mai 2013 gestorben. Wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet und werden sie in bester Erinnerung behalten.


Jürgen Heesemann            Bettina Wilske            Hans-Walter Pfister