Die Arbeitsgruppe von Dr. Tobias Geiger hat neue Erkenntnisse über ein wichtiges Sekretionssystem von Salmonellen gewonnen: das sogenannte Typ 10 Sekretionssystem (T10SS).
Salmonellen sind Bakterien, die beim Menschen schwerwiegende Erkrankungen wie Typhus, Paratyphus oder Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Viele Salmonellenarten haben sich darauf spezialisiert, in Wirtszellen zu leben und sich dort zu vermehren. Um eine Infektion erfolgreich zu etablieren und aufrechtzuerhalten, produzieren sie spezielle Virulenzfaktoren. Diese Moleküle unterstützen die Bakterien dabei, Wirtszellen zu infizieren und das Immunsystem zu umgehen.
Damit die Virulenzfaktoren ihre Wirkung entfalten können, müssen sie aus der Bakterienzelle ausgeschleust werden. Hierfür nutzen Salmonellen verschiedene Sekretionssysteme. Das T10SS spielt dabei eine besonders wichtige Rolle und wurde in der aktuellen Studie der Arbeitsgruppe genauer untersucht.
Die Forschenden konnten zeigen, dass sich dieses Sekretionssystem ursprünglich aus Viren entwickelt hat, die Bakterien infizieren, sogenannten Bakteriophagen. Diese nutzen Komponenten dieses Systems, um infizierte Bakterienzellen zu lysieren und dadurch freigesetzt zu werden, sodass sie anschließend weitere Bakterien infizieren können. Im Laufe der Evolution wurde das System jedoch so verändert, dass die Bakterienzellen während der Proteinfreisetzung nicht zerstört werden. Stattdessen öffnet sich die Zellhülle kontrolliert, sodass bestimmte Proteine freigesetzt werden können.
Das T10SS wird sowohl beim Kontakt mit Darmepithelzellen als auch nach dem Eindringen der Salmonellen in Wirtszellen aktiviert. Die einzelnen Bestandteile des Systems werden dabei präzise reguliert und nur dann produziert, wenn sie benötigt werden. Dadurch können die Bakterien gezielt Virulenzfaktoren freisetzen, ohne ihre eigene Zellintegrität zu verlieren.
Die Ergebnisse dieser Arbeit tragen zu einem besseren Verständnis dieses Sekretionssystems bei. Da es für den Infektionsprozess sowohl typhoidaler als auch nicht-typhoidaler Salmonellen von großer Bedeutung ist, liefern die neuen Erkenntnisse wichtige Grundlagen für die weitere Erforschung bakterieller Infektionen.
Ausführliche Informationen finden Sie in der Originalpublikation in Frontiers in Microbiology.
https://www.frontiersin.org/journals/microbiology/articles/10.3389/fmicb.2026.1809111/full



